Bernd Franke: NÄHE - nach den Psalmen von SAID für gemischten Chor und Solo-Viola (2012)
BERND FRANKE NÄHE - nach den Psalmen von SAID für gemischten Chor und Solo-Viola (2012) UA: 21. Oktober Heinrich-Schütz-Musikfest 2012 Auftragswerk für das Heinrich-Schütz-Musikfest 2012 und der Mitteldeutschen Barockmusik Weißenfels / Schloßkirche St. Trinitatis Vocalconsort Leipzig Leitung: Gregor Meyer Solo-Viola - Gareth Lubbe Publisher: C. F. Peters Frankfurt www.edition-peters.de http://www.berndfranke.de/ Zu den Psalmen von SAID: Seit langem schreibt SAID, der eine unkonventionelle und nicht-konfessionelle Spiritualität sucht und um sie ringt, Psalmen. Die biblischen Psalmen, die die gesamte geistliche Dichtung bis heute prägen, haben Vorbilder in der altorientalischen Literatur, und wer könnte sich mehr berufen fühlen als SAID, dessen lyrische Sprache immer auch von der persischen Tradition zehrt, diese uralte Form des religiösen Gesangs und Gebets auf eine zeitgemäße Art aufzugreifen und mit neuem Sinn zu füllen? Nichts in seinen Psalmen ist selbstverständlich, auch nicht das Verhältnis zum angerufenen Gott, alles ist radikal offen und neu. SAIDs Psalmen lassen niemanden kalt, und sie lassen nichts aus, nicht die Katastrophen und Konflikte der Geschichte, nicht die Sprache der Gegenwart, nicht die Nöte des Alltags, nicht die Lust, die Sehnsucht, die Angst vor dem Tod. Nach dem Ende der großen Utopien, einem weltweiten Sieg des Marktes und den Weltmächten und Weltkonzernen ausgesetzt, sehnen sich nicht wenige Menschen nach einem Sinn jenseits des Konsums und des Körpers, und viele greifen zurück auf konventionelle Traditionen und Rituale, auch der Religion, obwohl sie hoch anfechtbar sind. SAID bewegt sich mit seinen Psalmen in einem Raum des Religiösen, der offen bleibt für alle Fragen, die wir hier haben, und er läßt keine dieser Fragen aus. Infos zu SAID unter: HYPERLINK "http://www.said.at/"http://www.said.at/ HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Said_(Schriftsteller)"http://de.wikipedia.org/wiki/Said_(Schriftsteller) (I) herr du kannst alles anbeten neben mir denn ich habe den anspruch der einzigartigkeit aufgegeben um nicht im eigenen licht zu erstarren und ich bitte dich oh herr verrate mir alle deine namen auch den letzten den verborgenen (II) herr erscheine nackt mit brot und schaffe die farben ab damit der mensch sich nie mehr verirrt aber erscheine ehe supermärkte dich auf dem wühltisch verramschen und handys zu göttern mutieren erscheine als gesetzloser analphabet bleib ohne licht und verführbar aber beeile dich denn selbst der wind versagt uns die täuschung (III) herr eile und vermenge die zeit mit dem raum damit die raserei ein ende findet lehre uns die demut des tigers wenn er sich des nachts dem mond unterwirft die großmut des löwen wenn er seine verdauung genießt ohne das getier unnütz zu reißen die weisheit des esels wenn er mit gleichmut die last der fremden trägt ohne seine haltung zu verlieren und schenke uns die einfältigkeit der margeriten die sich auf jeden frühling freuen ohne an den herbst zu denken und seine raffgierigen finger (IV) herr breite deine arme aus und bewahre uns vor dem heer deiner beschützer stehe den wanderern bei die die gabe des hörens nicht verloren haben und horche in ihre einsamkeit stehe auch denen bei die bleiben und auf dich warten (V) herr stimme mir zu daß jeder körper heilig ist und so auch seine regungen daß zwei umschlungene körper sich niemals beschmutzen und steh mir bei damit ich teil dieser bewegung bleibe um dir näherzukommen (VI) herr als ich die zersetzung des laubes begriff und seinen willen den gezeiten nicht zu entgehen da suchte ich die zwiesprache mit dir denn ich will die dunkelheit durchschauen und den fassungsraum deines lichtes siehe ich betrachte die dinge und deren leise fließendes credo (VII) ich bete nicht nur zu dir oh herr sondern auch zu wind und ebene denn ich will das gefälle zwischen dir und der natur verringern damit du das gewicht meiner worte erträgst siehe mein wort belauscht die steine um einen weg zu dir zu finden so schweige und höre die gangart meiner sprache die sich deinem schweigen unterwirft (VIII) herr hörst du das geschrei der menge? sie haben einen neuen gott gefunden aber auch der weiß alles liebt es gedemütigt durch die welt zu gehen rechnet und ruft so ist auch er zum verzehr gezüchtet IX (bleibt immer der letzte oder neunte Satz) herr ich suche dich mach daß diese suche nie aufhört siehe sie bedrängen mich von allen seiten die gottesbeseitzer doch befragen sie nie ihren gott denn sie fürchten seine antwortlosigkeit ich aber vertraue meinem gebet dem alten brandstifter der auf der suche nach einer neuen behausung die alten häuser verrät
BERND FRANKE NÄHE - nach den Psalmen von SAID für gemischten Chor und Solo-Viola (2012) UA: 21. Oktober Heinrich-Schütz-Musikfest 2012 Auftragswerk für das Heinrich-Schütz-Musikfest 2012 und der Mitteldeutschen Barockmusik Weißenfels / Schloßkirche St. Trinitatis Vocalconsort Leipzig Leitung: Gregor Meyer Solo-Viola - Gareth Lubbe Publisher: C. F. Peters Frankfurt www.edition-peters.de http://www.berndfranke.de/ Zu den Psalmen von SAID: Seit langem schreibt SAID, der eine unkonventionelle und nicht-konfessionelle Spiritualität sucht und um sie ringt, Psalmen. Die biblischen Psalmen, die die gesamte geistliche Dichtung bis heute prägen, haben Vorbilder in der altorientalischen Literatur, und wer könnte sich mehr berufen fühlen als SAID, dessen lyrische Sprache immer auch von der persischen Tradition zehrt, diese uralte Form des religiösen Gesangs und Gebets auf eine zeitgemäße Art aufzugreifen und mit neuem Sinn zu füllen? Nichts in seinen Psalmen ist selbstverständlich, auch nicht das Verhältnis zum angerufenen Gott, alles ist radikal offen und neu. SAIDs Psalmen lassen niemanden kalt, und sie lassen nichts aus, nicht die Katastrophen und Konflikte der Geschichte, nicht die Sprache der Gegenwart, nicht die Nöte des Alltags, nicht die Lust, die Sehnsucht, die Angst vor dem Tod. Nach dem Ende der großen Utopien, einem weltweiten Sieg des Marktes und den Weltmächten und Weltkonzernen ausgesetzt, sehnen sich nicht wenige Menschen nach einem Sinn jenseits des Konsums und des Körpers, und viele greifen zurück auf konventionelle Traditionen und Rituale, auch der Religion, obwohl sie hoch anfechtbar sind. SAID bewegt sich mit seinen Psalmen in einem Raum des Religiösen, der offen bleibt für alle Fragen, die wir hier haben, und er läßt keine dieser Fragen aus. Infos zu SAID unter: HYPERLINK "http://www.said.at/"http://www.said.at/ HYPERLINK "http://de.wikipedia.org/wiki/Said_(Schriftsteller)"http://de.wikipedia.org/wiki/Said_(Schriftsteller) (I) herr du kannst alles anbeten neben mir denn ich habe den anspruch der einzigartigkeit aufgegeben um nicht im eigenen licht zu erstarren und ich bitte dich oh herr verrate mir alle deine namen auch den letzten den verborgenen (II) herr erscheine nackt mit brot und schaffe die farben ab damit der mensch sich nie mehr verirrt aber erscheine ehe supermärkte dich auf dem wühltisch verramschen und handys zu göttern mutieren erscheine als gesetzloser analphabet bleib ohne licht und verführbar aber beeile dich denn selbst der wind versagt uns die täuschung (III) herr eile und vermenge die zeit mit dem raum damit die raserei ein ende findet lehre uns die demut des tigers wenn er sich des nachts dem mond unterwirft die großmut des löwen wenn er seine verdauung genießt ohne das getier unnütz zu reißen die weisheit des esels wenn er mit gleichmut die last der fremden trägt ohne seine haltung zu verlieren und schenke uns die einfältigkeit der margeriten die sich auf jeden frühling freuen ohne an den herbst zu denken und seine raffgierigen finger (IV) herr breite deine arme aus und bewahre uns vor dem heer deiner beschützer stehe den wanderern bei die die gabe des hörens nicht verloren haben und horche in ihre einsamkeit stehe auch denen bei die bleiben und auf dich warten (V) herr stimme mir zu daß jeder körper heilig ist und so auch seine regungen daß zwei umschlungene körper sich niemals beschmutzen und steh mir bei damit ich teil dieser bewegung bleibe um dir näherzukommen (VI) herr als ich die zersetzung des laubes begriff und seinen willen den gezeiten nicht zu entgehen da suchte ich die zwiesprache mit dir denn ich will die dunkelheit durchschauen und den fassungsraum deines lichtes siehe ich betrachte die dinge und deren leise fließendes credo (VII) ich bete nicht nur zu dir oh herr sondern auch zu wind und ebene denn ich will das gefälle zwischen dir und der natur verringern damit du das gewicht meiner worte erträgst siehe mein wort belauscht die steine um einen weg zu dir zu finden so schweige und höre die gangart meiner sprache die sich deinem schweigen unterwirft (VIII) herr hörst du das geschrei der menge? sie haben einen neuen gott gefunden aber auch der weiß alles liebt es gedemütigt durch die welt zu gehen rechnet und ruft so ist auch er zum verzehr gezüchtet IX (bleibt immer der letzte oder neunte Satz) herr ich suche dich mach daß diese suche nie aufhört siehe sie bedrängen mich von allen seiten die gottesbeseitzer doch befragen sie nie ihren gott denn sie fürchten seine antwortlosigkeit ich aber vertraue meinem gebet dem alten brandstifter der auf der suche nach einer neuen behausung die alten häuser verrät